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„Leben, auch wenn es weh tut“
Von: Ch. Grieshaber
01.04.2012 10:12 Alter: 1 year
Lesung zum Thema „Depression“ zieht Studierende des Fachbereichs Sozialpädagogik in ihren Bann

Autor Schade während seines Vortrags
MICHELSTADT. Im März hatte der Fachbereich Sozialpädagogik am Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis einen ganz besonderen Gast im regelmäßig stattfindenden „Talk im Fachbereich“. Wolfgang Schade las vor den ca. 120 Schüler/innen und Studierenden aus seinem Buch „Leben, auch wenn es weh tut“, in dem er seine eigenen Erfahrungen mit der Krankheit „Depression“ darstellt und verarbeitet. Schade bedankte sich zunächst für die Einladung von Brigitte Nacer, der Leiterin der Abteilung Sozialpädagogik, welche dazu beitrage, dass dieses Thema aus der Tabuecke geholt werde.
Ungewöhnlich offen schilderte der Autor dann auch ein Leben mit der Krankheit, die er „in keinen Moment seines Lebens vergessen kann.“ Auszüge aus seinem autobiographisch gehaltenen Buch gaben Anregung und Ideen zum Weiterdenken so dass sich im Verlauf die Lesung zu einem Dialog zwischen Autor und Zuhörern entwickelte. Besonders eindrücklich ging er immer wieder auf einzelne Aspekte eines Lebens ein, das geprägt ist vom Wechsel zwischen manischen und depressiven Phasen. Vor allem die Schilderung einer Kindheit zwischen überhöhten Ansprüchen durch die Eltern und wenig Möglichkeiten zur kindlichen bzw. jugendlichen Selbstbestimmung führte bei den angehenden Sozialassistent/innen und Erzieher/innen zu vielen interessierten Nachfragen.
Verständnis wecken wolle er für die Menschen mit diesem Krankheitsbild, bei denen es sich oftmals um sehr sensible Personen handle. Er selbst beschrieb sich als stets auf der Suche nach Bestätigung durch das soziale Umfeld, das Vertrauen und Geborgenheitsgefühle vermitteln kann und auch die ihn ständig begleitenden Minderwertigkeitsgefühle aushalte. Einfühlsame Begleiter und freundliche, warmherzige Menschen seien besonders für depressive Menschen, neben Therapie und Medikamenten, ein Grundpfeiler dafür, sich selbst auch mit dieser Krankheit annehmen zu können.
Im Anschluss verteilte Schade eine Liste mit Stichworten aus seinem Buch. Die vielen Fragen und die lebhafte Beteiligung unter den Studierenden und Schüler/innen zeigte, dass das „Tabuthema Depression“ bei ihnen als angehende pädagogische Fachkräfte und auch den Lehrkräften des Fachbereichs als ein wichtiges Thema in der Arbeit mit Menschen erkannt wurde. Dass hinter der Krankheit „Depression“ ein Mensch steht, der gesehen werden will, auch wenn er sich manchmal versteckt, den es als Fachkraft empathisch zu begleiten gilt, das konnte Wolfgang Schade eindrucksvoll vermitteln. Der herzliche Beifall, mit dem Schade nach über zwei Stunden verabschiedet wurde, zeigte dies sehr eindrucksvoll.