Odenwald-Dialog: Odenwaldkreis blitzt bei Medien mit Wunsch nach mehr Beachtung ab
Erbach. Wofür steht der Odenwaldkreis, wie wird er im Großraum Rhein-Main medial wahrgenommen? Das Fazit der Veranstaltung am Donnerstag dürfte diejenigen, die sich davon eine Verbesserung versprochen haben, alles andere als zufrieden stellen. Bemüht, das Ansinnen nach mehr Beachtung, nicht völlig vom Tisch zu wischen, zogen sich die eingeladenen Medienvertreter hinter die formal-geografische Linie zurück und legten den Finger in die Wunde, die vornehm formuliert als „Bringschuld“ bezeichnet wurde.
Auf die Diskussion über „eine Verantwortung der Medien für den ländlichen Raum“, wie die gastgebende Odenwald-Akademie in ihrer Einladung zum Odenwald-Dialog schrieb, wollten Peter Lückemeier (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Jörg Riebartsch (Darmstädter Echo) sich gar nicht erst einlassen. Jedenfalls nicht in dem Sinne, dass sie dieser nicht ausreichend nachkämen oder besonders verpflichtend seien. Lückemeier, verantwortlicher Ressortleiter für die Gesamtregion, erweckte mit seinem kurzen Diskurs in die Geschäftspolitik schon frühzeitig den Eindruck, die Debatte mit wenigen, aber klaren Worten vorzeitig beenden zu wollen: „So leid es mir tut, der Odenwald gehört nicht zu unserem Kerngebiet.“ Jegliche Änderung, sprich mehr Beiträge aus dem Odenwaldkreis würden von Lesern aus Wiesbaden, Frankfurt und Offenbach als uninteressant empfunden werden; also die Masse der Leser eher abstoßen. Schon aus wirtschaftlichen Gründen könne keine Zeitung Interesse daran haben, wissentlich weitere „Streuverluste“ zu produzieren.
Sein Blatt habe sich in der Vergangenheit interessanten Themen aus der Region nicht verschlossen gezeigt, versuchte Lückemeier den spürbaren Unmut unter den rund 120 Besuchern zu glätten. Als Beispiele nannte er die Berichterstattung über den spektakulären Verkauf des Erbacher Schlosses an das Land Hessen und über den letztlich gescheiterten Versuch, die Städte Erbach und Michelstadt zusammenzuschließen. Für Jürgen Walther, Geschäftsführer der Odenwald-Regionalgesellschaft, keine guten Beispiele: „Das Schloss auf Hirschgeweihe und Filzpantoffeln zu reduzieren – wissen Sie, was damit der Region angetan wurde?“ Auch Landrat Horst Schnur forderte die Gäste energisch und bisweilen in trotzigem Ton dazu auf, ihr Augenmerk mehr auf die Geschehnisse im Kreis zu richten: „Wir fühlen uns täglich abgeschnitten. Wir gehören zwar zur Metropolregion, werden aber von dieser nicht ausreichend wahrgenommen.“ Vermisst habe er beispielsweise Beiträge über die Millioneninvestitionen in die Gesundheitszentrum Odenwaldkreis GmbH zum integrierten Versorgungszentrum.
Mit einem zahlenmäßigen Vergleich versuchte Riebartsch damit zu punkten, dass „es um die Wahrnehmung des ländlichen Raums“ gar nicht schlecht bestellt sei: „In unserem Verbreitungsgebiet südlich von Frankfurt leben eine Million Menschen; davon zehn Prozent im Odenwaldkreis.“ Mit einer eigenen Lokalredaktion in Erbach und der Regionalausgabe „Odenwälder Echo“ werde das Geschehen hinreichend berücksichtigt. Am günstigsten schnitt Peter John, Leiter des Studios Darmstadt beim Hessischen Rundfunk, ab: „Bei uns steht der Odenwald genügend auf der Tagesordnung“. Das Radio als „emotionales Medium“ müsse „nicht so materiell berichten“ wie die Presse. Starke Hörerquoten sprächen für eine große Akzeptanz des Programms. Der ländliche Raum müsse sich schon selbst interessant machen, empfahl Lückemeier den Verantwortlichen in der Region. Für deren Vielfalt stünden „High Tech und High Snack“, so Schnur. Die Meinungsmacher sehen dies offenbar anders: John zeichnete vom Odenwald ein Bild, in dessen Zentrum „folkloristische Elemente“ stünden. Professor Hans Reiner Böhm (TU Darmstadt) warnte vor einem „medialen Schlagschatten“ und Lückemeier gab den örtlichen Akteuren die Empfehlung, mehr in die Öffentlichkeitsarbeit und ein einheitliches Marketing zu investieren: „Wir wünschen uns Vermittler, die mit journalistischen Augen durchs Land gehen.“ pgi
Main-Echo 24.02.2009 - Autor und Foto: Manfred Giebenhain