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Bildungsangebot gibt den Ausschlag

Industrievereinigung Odenwald: Nur drei von hundert Abiturienten finden einen Arbeitsplatz innerhalb des Kreisgebietes

MICHELSTADT. Wechselnde Orte und wechselnde Themen bestimmen den Charakter der Jahresmitgliederversammlungen der Industrievereinigung Odenwaldkreis (IVO) schon seit Jahren. Nicht von ungefähr kommt es, dass das Netzwerk der Odenwälder Wirtschaft dieses Mal sich in einer Schule getroffen hat. Vorsitzender Franz-Peter Wörner sprach gar „von einem Glanztag für uns“. Noch vor dreißig Jahren hätten Unternehmer verschlossene Türen vorgefunden. Nicht so am Dienstag beim Besuch des Beruflichen Schulzentrums des Odenwaldkreises (BSO), mit dem die IVO schon länger eine Partnerschaft pflegt.


Auf den Anlass ging Hermann Braun, geschäftsführender Vorstand, ein: „Unsere Odenwälder Wirtschaft braucht gut ausgebildete junge Menschen. Der Odenwald-Campus wird seinen Beitrag dazu leisten.“ Das schon seit geraumer Zeit diskutierte und vom Kreistag unterstützte Konzept, auf dem Gelände der Schule öffentliche Träger der Erwachsenen-, schulischen und Weiterbildung organisatorisch und räumlich zusammenzufassen, stellte Schulleiter Peter Schug vor.


Was hessenweit modellhaft an sechs Standorten bereits umgesetzt worden ist, wird in Michelstadt als erstem Nachrücker in der Bewerberliste seine Fortsetzung finden. Mit einer gemeinsamen Anlaufstelle und der Nutzung vorhandener Räume würden letztere künftig deutlich besser ausgelastet und der bildungsinteressierte Mensch ohne Doppelbearbeitung aus einer Hand beraten und begleitet.


Das BSO biete als Europaschule wie als Schule mit eigenem Budget und Personalrecht („Selbstverantwortung plus“) hierfür sehr gute Voraussetzungen. „Wir lassen uns gerne messen“, so Schug. Mit im Boot seien die benachbarte Theodor-Litt-Schule, die Außenstelle des Darmstädter Abendgymnasiums, die Volkshochschule für den Odenwaldkreis und die Schulverwaltung des Kreises. „Bildung auf hohem Niveau“ lautet ein Ziel, so Schug, der im Verbund die Antwort auf den Bildungswettbewerb der Zukunft sieht. Bildungschancen seien längst auch zum Standortfaktor für die Wahl des Wohnsitzes junger Familien geworden. Für die Wirtschaftsvertreter ferner nicht ohne Bedeutung: Lediglich drei von hundert Abiturienten würden derzeit einen Arbeitsplatz innerhalb des Kreisgebietes aufnehmen.


Der gesellschaftliche Wandel habe, nicht nur demografisch betrachtet, längst die Schulen erreicht, stellte Schug vor. Gefragt sei neben der Fachkompetenz zunehmend die soziale wie eine Medienkompetenz, die auch im Klassenzimmer und im Schulalltag Einzug finden müsse.


Beispiele hierfür präsentierten Fachlehrer während der von den Abteilungsleitern des BSO geführten Rundgänge in Kleingruppen. Die Funktionsweise eines großflächigen Active Boards stellte Oberstudienrat Rüdiger Lang vor, der seit einem Jahr die Auszubildenden im Kfz-Handwerk an der elektronischen Tafel unterrichtet.


Auch die Fülle und Einrichtung computerunterstützter Arbeitsplätze für Lehrer wie für Schüler hinterließ bei den Gästen einen nachhaltigen Eindruck. Bei Enthaltung des Vorstands wurde dieser im vereinsoffiziellen Teil der Versammlung ohne Gegenstimmen für das zurückliegende Geschäftsjahr entlastet. Wörner ging auf die positive Mitgliederentwicklung (allein 13 seit Jahresbeginn; gesamt 116) und die Vereinsaktivitäten ein; Braun stellte das Jahresergebnis vor. Demnach erwirtschaftete die IVO ein Plus von knapp 1500 Euro bei 14 000 Euro Einnahmen und 12 500 Euro Ausgaben.


Das Vermögen gab Braun mit 39 000 Euro an. Ohne Gegenstimmen für weitere drei Jahre in den Vorstand erneut gewählt wurden Kurt Haag (Bosch Rexroth, Erbach) und Rainer Oertl (Röchling Oertl Kunststofftechnik, Brensbach). Den Ausklang bildete ein mehrgängiges Abendessen, das von den Auszubildenden des ersten Lehrjahres im Hotel- und Gaststättengewerbe zubereitet und serviert wurde.


Autor und Fotos: Manfred Giebenhain


Der Schulleiter des BSO OStD Peter Schug erklärt eine Skizze des Odenwaldcampus
Hans-Peter Wörner und Hermann Braun vom Vorstand der IVO
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